{"id":2082,"date":"2017-08-24T18:09:16","date_gmt":"2017-08-24T16:09:16","guid":{"rendered":"http:\/\/deutscher-kinderverein.de\/?p=2082"},"modified":"2024-08-27T23:11:15","modified_gmt":"2024-08-27T21:11:15","slug":"wer-wenn-nicht-wir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wer-wenn-nicht-wir\/","title":{"rendered":"Wer, wenn nicht wir?"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 hundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-overflow:visible;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-image-element in-legacy-container\" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/deutscher-kinderverein.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Schreien.jpg\" alt class=\"img-responsive\"\/><\/span><\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-one-full fusion-column-first fusion-column-last\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-margin-top:15px;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-column-wrapper-legacy\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p><em>Das Minimal-Budget der Kampagne gegen Sch\u00fctteltrauma bei S\u00e4uglingen ist ein Armutszeugnis f\u00fcr die Regierung<\/em><\/p>\n<p>Von Rainer Rettinger<\/p>\n<p>Schon Rio Reiser, der K\u00f6nig von Deutschland, wollte die Welt ver\u00e4ndern. Im Song \u201eWann\u201c findet man die markanten S\u00e4tze: \u201eWann, wenn nicht jetzt. Wo, wenn nicht hier. Wer, wenn nicht wir.\u201c Mit diesen S\u00e4tzen und leuchtenden Plakaten startet die steuergeldfinanzierte Kampagne des Bundesfamilienministeriums f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Verantwortlich ist die ehemalige Familienministerin Manuela Schwesig. F\u00f6rdersumme gesamt f\u00fcr das Jahr 2017: 100 Millionen Euro. Kosten f\u00fcr die Werbekampagne: 4,5 Millionen Euro. Gef\u00f6rdert werden mit diesem Geld Projekte gegen Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit und Gewalt. Experten wie Forsa-Chef Manfred G\u00fcllner und Kommunikationsfachmann Rupert Ahrens kritisieren diese Kampagne mit starken Worten wie \u201cVerschwendung \u00f6ffentlicher Gelder\u201c, \u201ekompletter Unsinn\u201c oder \u201eunklar, wozu diese Plakate auffordern\u201c (Die Welt vom 7.05.2017).<\/p>\n<p>\u201eDieses Plakat wird nichts \u00e4ndern! Aber du kannst es\u201c, lautet die Headline auf einer Litfa\u00dfs\u00e4ule, irgendwo im Regierungsviertel. Um es vorweg zu sagen: Es wird sich voraussichtlich gar nichts \u00e4ndern durch diese Kampagne. Stefan Wegner, Partner bei der verantwortlichen Agentur Scholz &amp; Friends erkl\u00e4rt dazu in einem Interview mit dem Fachblatt HORIZONT, es handle sich um eine \u201eHintern-hoch-Kampagne\u201c. Demokratie sei schlie\u00dflich kein Produkt, dass man kauft wie einen Joghurt, sondern h\u00e4nge vom Engagement eines jeden Einzelnen ab. Aber schafft es ein Plakat mit der Headline \u201eDie U-Bahn kennt nur eine Richtung. Aber deine M\u00f6glichkeiten sind grenzenlos\u201c mich zivilgesellschaftlich zu engagieren? Animiert mich das, die Webseite von \u201eDemokratie leben\u201c zu besuchen? Wohl kaum. Wenn doch, erf\u00e4hrt man im \u201eEngagement-Check\u201c, ob man ein Alleindenker, oder Teamplayer ist. Ist man dann motiviert, kann man, so liest man es auf der Webseite, \u201eZeichen setzen und Zeilen senden\u201c, sprich einen Leserkommentar verfassen und sich am \u00f6ffentlichen Dialog beteiligen. Zu Recht kritisiert der Bund der Steuerzahler immer wieder, dass Millionen Euro jedes Jahr verschwendet werden. Darunter fallen auch sinnleere Kampagnen von Ministerien, so wie diese.<\/p>\n<p>Doch es gibt auch gute Nachrichten: In den Verhandlungen zum Bundeshaushalt 2017 wurde ein Budget f\u00fcr eine Aufkl\u00e4rungskampagne zum Thema Sch\u00fctteltrauma freigegeben, einer leider h\u00e4ufigen und extrem sch\u00e4digenden Methode der Misshandlung von S\u00e4uglingen und Kleinkindern. Die schlechte Nachricht: Nur 800.000 Euro wurden daf\u00fcr an Mitteln bereitgestellt. Eingesetzt hat sich daf\u00fcr die CDU-Politikerin Christina Schwarzer aus Berlin-Neuk\u00f6lln. Allein in Berlin und Brandenburg sind seit Anfang des Jahres rund 13 F\u00e4lle von Sch\u00fctteltrauma bekannt geworden, drei S\u00e4uglinge verstarben. Rund 200 S\u00e4uglinge im Jahr erleiden nach Sch\u00e4tzungen von Experten in Deutschland durch Sch\u00fctteltraumata Hirnblutungen, Epilepsie, lebenslange Behinderungen. Mehr als ein F\u00fcnftel der Kinder stirbt an den Folgen dieser Verletzungen. Die Dunkelziffer d\u00fcrfte weitaus h\u00f6her sein. Es gibt Studien, wonach auf jeden erfassten Fall von Misshandlungen noch bis zu 50 unerkannte F\u00e4lle kommen. Andere Studien sprechen von bis zu 400 nicht gemeldeten Misshandlungen pro bekanntem Fall\u201c, so die Rechtsmediziner der Charit\u00e9 Berlin Prof. Dr. Michael Tsokos und Dr. Saskia Etzold.<\/p>\n<p>Vielen Eltern ist es nicht bewusst, wie gef\u00e4hrlich das Sch\u00fctteln eines S\u00e4uglings ist. Dabei zeigt sich diese in Ungeduld, Hilflosigkeit und Aggressivit\u00e4t begangene Handlungsweise keineswegs nur in sozial schwachen Familien, sondern kommt in allen Bildungsschichten vor. Es wird darauf ankommen, wie die Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung, zust\u00e4ndig f\u00fcr die Umsetzung der Kampagne, diese 800 000 Euro einsetzen wird. Man kann nur hoffen, dass das Geld nicht in sinnlosen Plakaten an Hausw\u00e4nden oder in Arztpraxen verschwindet, wie die oben zitierten. Denn: Um bundesweit und fl\u00e4chendeckend mithilfe dieser Medien Aufmerksamkeit zu erzielen, br\u00e4uchte es rund 15 Millionen. Mindestens.<br \/>\nKinderschutz, so die Journalistin Caroline Fetscher, ist die gr\u00f6\u00dfte soziale Baustelle. Wie viele engagierte Kindersch\u00fctzer fordert sie eine landesweite, unverzagte Kampagne zum Schutz vor Gewalt. Vielleicht fehlt hier jedoch dem Ministerium der klare, politische Wille \u2013 so lie\u00dfe sich das minimale Budget der Sch\u00fctteltrauma-Kampagne erkl\u00e4ren. Das staatliche W\u00e4chteramt f\u00fcr die Familie, festgelegt im Grundgesetz, hat Geltung. Doch oft bleibt der Staat ein verschlafener Nachtw\u00e4chter, und der Gewaltschutz gleicht einer Lotterie. Hier ist eine Kita-Erzieherin aufmerksam, dort nicht, hier greift ein Jugendamt sinnvoll ein, dort nicht. Hier tragen Fr\u00fche Hilfen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass Gefahren f\u00fcr das Wohl des Kindes verhindert werden, dort nicht.<\/p>\n<p>Die Frage ist daher berechtigt: Wann nimmt das Familienministerium endlich genug Geld in Hand und kl\u00e4rt \u00fcber Misshandlung auf, am Wochenbett, in der Kita, in der Schule? Wenn der politische Wille vorhanden ist, ist es keine Frage des Budgets mehr. Die \u00e4u\u00dferst zweifelhafte Kampagne \u201eDemokratie leben\u201c zeigt, dass durchaus Geld vorhanden ist. Doch wohin wandert es? F\u00fcr Klarheit beim Thema Kinderschutz, das beweist das Minimalbudget der Sch\u00fctteltrauma-Kampagne, fehlt der politische Wille. Man kann nur hoffen, dass die neue Familienministerin Dr. Katarina Barley die Kampagne hinterfragt und den Mut besitzt angemessene Mittel f\u00fcr eine Kinderschutzkampagne freizusetzen. Pr\u00e4vention beginnt immer mit Information <strong>und<\/strong> Kinderschutz lebt nur, wenn wir ihn leben: Politik, Medien, Justiz, Kindersch\u00fctzer und die breite Gesellschaft. Daf\u00fcr die Stimme zu erheben ist unser aller Pflicht. Wer, wenn nicht wir?!<\/p>\n<\/div><div class=\"fusion-clearfix\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":2089,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-2082","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2082","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2082"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2082\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2089"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/deutscher-kinderverein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}